Entwicklungsförderung durch tragen

Tragen fördert umfassend die Entwicklung unserer Kinder. Ich habe die Grafik des Wahrnehmungsentwicklungsbaumes aus der Ergotherapie gewählt, um dies zu verdeutlichen und Zitate aus der Fachwelt hinzugefügt.

Prof. Dr. Ernst J. Kiphard vom Institut für Sportwissenschaften Universität Frankfurt am Main sagt:

"Säuglinge, welche in diesem Tragetuch auf der Hüfte, vor dem Bauch oder auf dem Rücken der Mutter überall mit herumgetragen werden, entwicklen sich besser als Kinder, welche die meiste Zeit in einem Kinderbettchen verbringen.  Das gilt gleichermaßen für die motorische, kognitive und emotionale Entwicklung."

Dr. med. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt, beschreibt das Tragen folgendermaßen: "Tragen ist mit einer mulitsensorischen Stimulation verbinden: das Kind nimmt seine Mutter über mehrere Sinneskanäle wahr - über die Ohren, die Augen, den Geruch sowie über Berührungs- bzw. Bewegungsreize. Außerdem ist das Getragen-Werden keine passive Erfahrung für den Säugling, sondern regt auch dessen motorische Reaktionen an, da schon der Säugling seine bevorzugte Position durch Ausgleichsbewegungen unterstützt."

PROPRIOCEPTION: DIE EIGENWAHRNEHMUNG

Die Basis, die Wurzeln, unserer Sensorischen Integration bildet die Proprioception, also die Eigenwahrnehmung. Sie wird über die Haut, die inneren Organe, Gelenke, Muskeln, Sehnen und dem Gleichgewichtssinn (Vestibüläres System) wahrgenommen und bildet die Berührungsempfindung, die Tiefenempfindung, die Stellungsempfindung, die Bewegungsempfindung und die Schwerkraftempfindung.

 

"KÖRPERSINNE - NAHSINNE - BASISSINNE

Die Körpersinne, auch Basissinne genannt, stellen die Grundlage für die gesamte Entwicklung eines Kindes dar, vergleichbar mit den Wurzeln eines Baumes. Dazu gehören die Sinnesorgane

  • der Haut (taktil protopathisch)
  • der inneren Organe (visceral)
  • der Muskeln, Sehnen und Gelenke (kinästhetisch)
  • des Innenohres (vestibulär)

Die Verflechtung dieser Sinneseindrücke vermitteln uns die Informationen über den eigenen Körper und bilden das Fundament für das „Selbst“."

QUELLE: http://www.matheschwaeche.de/wahrnehmung/wahrnehmung.html

 

EXTEROCEPTION: DIE FREMDWAHRNEHMUNG

Die Fremdwahrnehmung, also die Wahrnehmung dessen, was uns umgibt, geschieht über die Sinne: Auge, Hand, Ohr, Zunge, Nase. Dabei ist es hilfreich, ein Baby an unserem Alltag teilnehmen zu lassen, es sehen und erleben lassen, was wir sehen und erleben.

 

FERNSINNE

Der Stamm symbolisiert unsere Fernsinne. Sie betreffen folgende Sinnesorgane:

  • Auge (visuell)
  • Ohr (auditiv)
  • Zunge (gustatorisch)
  • Nase (olfaktorisch)
  • Haut (taktil epikritisch)

Durch sie können wir aktiv mit unserer lebenden und dinglichen Umgebung in Kontakt treten, sie wahrnehmen, erkunden, begreifen, verändern, nutzen usw.

QUELLE: http://www.matheschwaeche.de/wahrnehmung/wahrnehmung.html

 

 

 

 LICHT: WÄRME, KONTAKT, BEZIEHUNG, AKZEPTANZ

Ohne Licht wächst ein Baum nicht, ohne Licht können wir nicht leben. Auch in der Ergotherapie wird das Licht gleichgesetzt mit Wärme, Kontakt, Beziehung und Akzeptanz und dessen Bedeutung herausgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

Das Original des Grafik stammt von Rega Schäfgen und wurde mehrmals grafisch umgesetzt. Die Quelle dieser Grafik lautet: www.praxis-therapiepunkt.de

 

 

PROPRIOCEPTION: DIE EIGENWAHRNEHMUNG

DIe Eigenwahrnehmung wird gefördert, wenn wir ein Baby tragen, denn durch den Körperkontakt mit dem Tragenden erhält der Babykörper Rückmeldung über seine eigene Position, die Stellung der Beinchen und Ärmchen, wo oben und unten ist, wie schnell oder langsam, ruckartig oder schwingend wir uns bewegen. Der Gleichgewichtssinn wird angeregt, wenn sich das Kind in aufrechter Position befindet und sich mit uns bewegt. Das Kind macht außerdem alle unsere Bewegungen mit, macht Ausgleichsbewegungen und trainiert dabei alle seine Muskeln und Gelenke.

 

"Das proprio-vestibuläre System wird während des Tragens nicht nur vestärkt aktiviert, ihm werden dabei auch andere Reite dargeboten als im Kinderwagen. (...) Manche Wissenschaftler schreiben dem proprio-vestibulären System nicht nur eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der anderen sensorischen und motorischen Fähigkeiten zu. Sie betrachten diesen Sinn sogar als Schrittmacher für das Zusammenspiel aller Sinnessysteme, ja der gesamten Gehirnentwicklung, auf neuronaler wie auf kognitiver Ebene."

Evelin Kirkilionis, Ein Baby will getragen sein, 2014

 

 

EXTEROCEPTION: DIE FREMDWAHRNEHMUNG

Wenn ein Baby mit uns erlebt, wie wir so banale Dinge tun wie Blumen gießen, die Wäsche aufhängen, Gemüse schneiden etc., dann sind alle seine Sinne mit dabei: Blumen sehen und anfassen, hören, wie das Wasser in die Gießkanne gefüllt wird, einen Wasserspritzer an der Hand spüren, das feuchte T-Shirt anfassen dürfen, daran riechen, die Wäscheklammer entdecken, die Farben des Gemüses betrachten, Karotten und Pastinaken anfassen dürfen, riechen und daran knabbern u.v.m.

 

"Während des Getragenwerdens erfahren die Kinder außer dem Bewegtwerden eine Vielzahl weiterer Reize. (..) Der übliche Zivilisationssäugling liegt die meiste Zeit im Bettchen oder Kinderwagen; nur wenige Reize erreichen das Kind. Das Tragetuchkind wird dagegen ständig bewegt, gedrückt, geschaukelt, es hört Stimmen und Lärm, es riecht das Essen auf dem Herd, es spürt den Wind im Gesicht. Fortlaufend erhält das Gehirn eine Fülle von Informationen, ohne dass diese das Kind überfordern, weil es den Rückhalt einer sicheren Umgebung genießt. "Tragekinder" entwickeln sich schneller, sind ruhiger und zufriedener.

H. Engel-Majer, Physiotherapeutin aus: Diskussionsbemerkung zum Tragetuch in der physiotherapeutischen Praxis

 

LICHT: WÄRME, KONTAKT, BEZIEHUNG, AKZEPTANZ

All das erfährt ein Kind, wenn es getragen wird: Es darf bei Mama sein, sein Bedürfnis nach Nähe wird gestillt, es ist nicht alleine und spürt, dass es dabei sein darf, ohne gleichzeitig unbedingt der Mittelpunkt des Geschehens zu sein.

"Der intensive Körper- und Blickkontakt mit der Mutter und dem Vater (auch er sollte den Säugling herumtrage!) vermittelt ein Geborgenheitsgefühl, dessen psychosoziale Wirkung von unschätzbarem Wert ist."

Prof. Dr. Ernst J. Kiphard

Institut für Sportwissenschaften der Universität Frankfurt/Main

 


Unter der Überschrift "Perspektiven" findet ihr weitere Informationen über die Persektiven eines Babys beim Getragenwerden und Hingelegtsein bzw. Geschobenwerden.